Sonntags-Wort

REICH GOTTES

Predigt 21.1.2024 von Mag.a Katharina PRAMMER

3. So im Jk, Lj B

Vor längerer Zeit war ich auf Pfarrwallfahrt nach Mariazell mit. Das war für mich ein erhebendes Ereignis: unterwegs sein, beten, den Körper, die Natur, Gott, die Menschen rund um mich spüren. Außerdem haben uns einige Breitenseer abgeholt. Also gab es – sehr gemütlich – eine Mitfahrgelegenheit nach Hause.
Die Strecke von Mariazell Richtung Wien ist anfangs ganz schön kurvig, ja beinahe 180°-Kehren sind das! Diese Strecke ist mir zu den heutigen Texten eingefallen.

Da ist einmal Jona. Ein Prophetenbuch aus dem AT mit märchenhaften Zügen. Im heutigen Textabschnitt geht Jona durch Ninive. Diese Stadt steht für das Bösartige, Verruchte und Gottlose. Er fordert zur Umkehr auf. Und das Erstaunliche: die Menschen hören und kehren um.
Lassen wir zu, dass uns jemand oder etwas dermaßen aufrüttelt?

Und dann das Evangelium. Der Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu. Er ruft den Menschen zu: “Kehrt um!” Ich denke da an die 180°-Kehre. Ich bin weiter zu meinem Ziel hin unterwegs, ich ändere aber die Blickrichtung und entdecke Neues.

Jesus vermittelt dieses Neue: “Kehr um, weil das Reich Gottes nahe ist.”
Schau nach vorne, aber sieh dir auch die Umgebung an. Viel ist eingefahren, traurig und schlecht, aber achte auf das, was Menschen Gutes vollbringen, wirke selber mit.
Jesus fordert auch auf, an das Evangelium zu glauben. An die frohe Botschaft vom Wirken Gottes unter und durch uns.

Vielleicht passt in dieses Bild nun auch die 2. Lesung. “Wer weint, soll sich verhalten, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht zum Eigentümer…”
Dieser Text ist der damaligen dringenden Endzeiterwartung geschuldet. Das passt für heute nicht mehr wirklich.
Aber die Idee dahinter ist, dass es für Christen Hoffnung auf eine 2. Heimat gibt. Wir dürfen und sollen in der Welt leben, in sie eintauchen, sie gestalten, Beziehungen und Besitz genießen, gemeinsam weinen und lachen.
Das alles aber mit der inneren Haltung: es ist nicht alles. Wir sollen nicht überheblich werden, aber uns auch nicht überfordern lassen von Bosheit und Ungerechtigkeit. Wir brauchen nichts relativieren, sondern uns auf die Wege des Lebens mit all seinen Kehren einlassen. In der Hoffnung, dass das Ziel super ist.

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