Sonntags-Wort

Kehrt um!

Link zum Video von Pfarrer Georg: https://youtu.be/_bzwMGGYkgk

Im Mittelpunkt des Evangeliums vom 2. Adventsonntag steht eine schillernde Persönlichkeit: sie trägt ein Gewand aus Kamelhaaren und ernährt sich von wildem Honig und Heuschrecken: Es ist Johannes der Täufer, der mit einer alten Prophezeiung in Verbindung gebracht wird: Jesaja spricht von einer Stimme, die in der Wüste ruft und etwas Großes ankündet. Die Botschaft des Johannes an die Menschen ist kurz und klar: Ändert euer Leben. Macht euch für Gott bereit. Kehrt um und lasst euch taufen. Diese mahnenden Worte aber sind nur der erste Teil seiner Predigt.

Der zweite Teil ist eine Ankündigung einer stärkeren und machtvolleren Person. Johannes sagt von ihr: Ich bin es nicht wert, ihr die Schuhe zu binden. Sie tauft nicht nur – wie er – mit Wasser zur Umkehr, sondern diese Person wird mit Heiligem Geist taufen.

Auch in unserer Zeit gibt es viele Stimmen, die demonstrieren:

Jeder und jede kann heute etwas für eine bessere Welt beitragen, denn diese beginnt im Kleinen: bei einem Lächeln, bei einer Vergebung, beim Herrichten der Wärmestube usw.

Interessant aber ist für mich die Klammer, die diesen Ruf umfasst:

Am Beginn wird das bezeichnet, was der Grund unseres Evangeliums ist, worauf unsere ganze Hoffnung aufbaut, woraus wir Kraft schöpfen. Es ist etwas, das die Leute schon immer gespürt haben, was sie in vielen Geschichten der Heiligen Schrift angedeutet haben und zum Ausdruck gebracht haben – kurz: Jesus Christus, Gottes Sohn. Wir könnten das auch so sagen: Am Anfang von allem steht Beziehung. Denn Sohn mein ja Kindschaft und Beziehung. In Jesus wird deutlich, dass Gott zu seiner Schöpfung eine Beziehung hat, wie eine Mama zu ihrem Kind.

Und der Ruf zum Umdenken will uns das wieder bewusst machen. Die Schöpfung ist kein Objekt, das wir ausbeuten dürfen, sondern wir müssen sie wie Gott so betrachten, als sie sie eine Schwester, ein Bruder.

Und genau das ist auch die Außenklammer am Ende des Evangeliums. Wenn der Rufer eine Person in der Zukunft ankündet, die im Kommen ist, dann heißt das, dass sich da etwas entwickeln. Dass da etwas in einem Prozess der Entfaltung ist, dass sich da etwas zeigen wird. Es ist wie eine Auslage, die noch zugeklebt ist, aber man kann schon durch die Ritzen hindurch schauen. Taufe mit dem Heiligen Geist heißt einfach, dass wir so wie in Jesus schon sichtbar, in die volle Kindschaft Gottes eintauchen.

Ich bin nämlich überzeugt, dass alle mahnenden Rufe zur Erhaltung des Klimas auf Erden und des Klimas der Menschlichkeit nur dann möglich ist, wenn wir unsere tiefe Beziehung untereinander und mit Gott wahrnehmen und entfalten.

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