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Fad – war mir nie!

Gerne möchte ich euch auch eine Erfahrung aus einem kontemplativen Kloster weitergeben, wo Schwester Christine aus dem Karmel berichtet:

Vor dem Gefühl von Leerlauf, Überdruss oder dass die „Decke, auf den Kopf zu fallen“ droht, ist auch eine Nonne nicht gefeit. Natürlich gebe der geregelte Alltag Halt, aber es brauche mehr als das. Der erste Schritt aus dem Leerlauf, sei der Schritt auf den anderen zu. „Es gibt so viele Möglichkeiten, anderen eine kleine Aufmerksamkeit zu schenken“, so Schwester Christine „egal, ob es eine kleine Gefälligkeit ist, ein Brief, ein kleines Geschenk, ein kurzer Anruf“. Es gebe fast unbeschränkte Möglichkeiten, andern Gutes zu tun. Und wenn man tatsächlich niemanden habe, dann könne es schon helfen, sich um ein Haustier zu kümmern. Das Schöne daran sei, dass die Freude des anderen den Geber selbst beglückt.

Zur Erfahrung der Eintönigkeit ganz allgemein meint die erfahrene Ordensfrau: „Äußere Beschränkung bewirkt auch Kreativität.“ Ein zurückgezogenes Leben sei alles andere als langweilig. Im Gegenteil. Jede der Schwestern ihrer Gemeinschaft entfalte ihre je persönlichen Talente, was das gemeinsame Leben bereichere:  “Fad ist mir in den vierzig Jahren noch nie geworden.“

Schließlich ist es ihrer Erfahrung nach auch wirklich notwendig, immer wieder frische Luft zu tanken und sich an den kleinen Dingen, etwa im Garten zu freuen.

Letztlich gebe es aber im einsamen Leben, auch wenn es aus freien Stücken gewählt sei, immer auch Augenblicke oder Phasen, die man „einfach aushalten“ müsse und auch aushalten könne. Schwester Christine zitiert die Reformatorin ihres Ordens, Theresa von Avila. Diese benutzte gern das Bild der Raupe, die sich verpuppt, um zum Schmetterling zu werden. Dieses Puppenstadium ist wichtig. Die Verwandlung vollzieht sich, ohne dass man es merkt. Man hofft und vertraut, bis sich der Schmetterling zeigt.

Diese Zuversicht wünsche ich uns alle,

Euer Pfarrer Georg

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