Brief von Pfarrer Georg an die Pfarrgemeinde

Liebe Pfarrgemeinde,

am letzten Sonntag, dem 4. Fastensonntag, habe ich in ganz kleinem Kreis die Heilige Messe gefeiert. Denn Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ So habe ich das auch erlebt.

Die Verbundenheit mit euch allen ist mir bei dieser Eucharistiefeier bewusst geworden.

Einerseits habe ich an die Not vieler Menschen in dieser besonderen Zeit gedacht: an die Einsamkeit, an die existentiellen Sorgen, an die Last des Krankseins und die Angst vor Ansteckung…

Andererseits habe ich an die gelebte Nächstenliebe gedacht, die Menschen einander zuteilwerden lassen: Einkauf-Gehen, Telefonieren, Trösten, Beten füreinander…

In all dem ist für mich der Auferstandene Christus gegenwärtig: „Ich war krank, und ihr habt mich besucht… ich war gefangen, und ihr seid zu mir gekommen… ich war traurig, und ihr habt mich getröstet…“

Es ist eine besondere Fastenzeit, in der uns Verzicht aufgezwungen wird: auf direkten Kontakt mit lieben Menschen, auf Versammlungen und Feste, auf gottesdienstliche Feiern… Mir ist der Gedanke gekommen, dass wir auf diese Weise den Kreuzweg Jesus erleben und mitgehen, den Kreuzweg der Schöpfung, …das Leid, durch das uns Gott hindurchführen wird - zum Ostermorgen….

In den ersten Tagen der verschärften Krise ist in mir manchmal blitzartig die Frage aufgetaucht: Ist das alles wahr oder träume ich? Ich habe mich innerlich gegen die Tatsache gesträubt, dass so vieles anderes wird, ohne dass ich gefragt werde…

Drei Dinge helfen mir durch diese Zeit, und ich möchte das mit euch teilen:

  1. die Verbundenheit: mit der Familie, mit lieben Menschen, mit der Pfarrgemeinde; auch wenn wir uns nicht direkt begegnen können, spüre ich im Gebet, im Denken aneinander, beim Telefonieren, in Emails…eine gewisse Nähe. Ich erfahre Hilfsbereitschaft und will selbst auch helfen, wo es mir möglich ist.
  2. das Akzeptieren: ab dem Zeitpunkt, wo ich die Situation innerlich angenommen habe, dass es jetzt so ist, wie es ist, geht es mir besser. Auch wenn das ein Prozess ist, der in Wellen immer wieder ein neues Akzeptieren erforderlich macht.
  3. das Gebet und die Heilige Schrift: bewusster als sonst bete ich am Morgen und am Abend das Stundengebet: die Erfahrung der Psalmen trägt mich. In den Tageslesungen der Messe spüre ich eine Tiefe, die Halt gibt und meinen Blick weitet. Auch das Rosenkranzgebet schenkt mir untertags manchmal ein vertrauensvolles Durchatmen.

Ich bin dankbar für das, was ich an Gutem erfahren darf.

Ich vertraue euch alle der Liebe Gottes an und erbitte für euch Mut und Geduld.

Ich melde mich wieder nächsten Sonntag.

Meine Sonntags-Predigten könnt ihr lesen unter: www.licht-spuren.com

In herzlicher Verbundenheit,

Euer Pfarrer Georg