Sonntag der Weltkirche

Weltmissionssonntag: "Armenien" - unsere christlichen Nachbarn im "Land der Steine"

Liebe Pfarrgemeinde,

manchmal begibt man sich ohne große Erwartungen auf eine Reise und wird dann von den Begegnungen in diesem fremden Land auf eine tiefe und besondere Weise angerührt. Ich denke, dass es den meisten aus unserer Breitenseer Gruppe so gegangen ist, die heuer im Sommer auf Besuch in Armenien war.

Armenien ist nur so groß wie OÖ und NÖ zusammen und liegt unscheinbar hineingepreßt zwischen seine übermächtigen und nicht gerade freundlich gesinnten Nachbarn Türkei und Azerbaidschan, es ist uns beinah unbekannt und doch so sehr UNSER Nachbar, ein Nachbar Europas, ein Land mit zutiefst christlich-abendländischer Geschichte und uns vertrauter Kultur.

Armenien hat eine fünftausendjährige und noch ältere Geschichte, über die uns Felsenzeichnungen, das älteste Weingut der Welt aus dem 4. vorchristlichen Jahrtausend und prähistorische Observatorien erzählen. In der Schule haben Sie von den Persern, Medern, Griechen und Römern gehört, aber wahrscheinlich nie vom armenischen Reich, obwohl es riesige Ausmaße hatte. Es reichte vom Mittelmeer bis zum Kaspischen Meer, also über die heutigen Gebiete Syriens, Iraks und der Türkei.

Die Apostel Thaddäus und Bartholomäus haben das Christentum nach Armenien gebracht, und um ca 280 n Chr gab es einen jungen Adeligen , den Hl Grigor den Erleuchter. Er versuchte, Menschen in seiner Umgebung für den Glauben an Jesus Christus zu begeistern. Das mißfiel dem König Trdat, der ihn in ein tiefes Loch sperren ließ. Der König verfolgte auch die neubekehrten Christen, bis er 15 Jahre später von einer schlimmen Hautkrankheit befallen wurde, von der ihn niemand heilen konnte. Da träumte seine Schwester, dass ihm der eingekerkerte Grigor helfen könnte. Grigor wurde aus dem Loch geholt und konnte den König von seiner Entstellung heilen. Daraufhin bekehrte sich Trdat zum Christentum und machte es 301 zur Staatsreligion. Armenien ist damit das erste Land der Welt, in dem das Christentum Staatsreligion wurde.

In ihrer späteren Geschichte erlitten die Armenier wegen ihres Glaubens ein grausames Schicksal, das in der Verfolgung und im Völkermord von 1915 gipfelte. Wenn wir heute in der 1. Lesung einen Ausschnitt aus dem Gottesknechtlied des Propheten Jesaja gehört haben, dann dürfen wir glauben und hoffen, dass nicht nur das Gottesvolk des Alten Testaments, sondern jedes Volk, das sich Gott erwählt hat, den Weg aus Leid, Gewalt und Schmerzen finden kann. Dem leidenden Gottesknecht, seinem geschundenen Volk, spricht Gott die Gerechtigkeit zu und ihm gibt die Verheißung: Du, mein zerschlagener Knecht, erblickst das Licht und wirst viele Nachkommen haben, die lange leben werden. Gott selbst fühlt alle Schwächen seines Volkes mit und verspricht ihm Erbarmen, Gnade und Hilfe zu der Zeit, die er für recht hält.

Für die immer noch sehr schwierige geopolitische Situation braucht das christliche Armenien die Hoffnung auf diesen zugesagten Beistand , denn zu den islamischen Nachbarländern Türkei und Azerbaidschan sind die Grenzen geschlossen, es gibt keinen wirtschaftlichen oder diplomatischen Austausch. Fast 40% der Bevölkerung lebt in Armut; besonders in den ländlichen Regionen. Es gibt kaum Industrie und nur wenig Landwirtschaft, weil der Boden steinig und das Land sehr gebirgig ist.

Bis heute sind auch noch die Auswirkungen eines gewaltigen Erdbebens spürbar, das Armenien im Jahr 1988 in eine Katastrophe stürzte. Die Stadt Gjumri wurde am heftigsten getroffen. Nach offiziellen Angaben starben über 24.000 Menschen. Noch immer leben viele Menschen in Containern, bei Temperaturen bis zu minus 40 Grad ohne Heizung, ohne Wasser und Strom.

Österreich hat sich damals um den Aufbau eines Kinderspitals gekümmert, das wir heute mit unserer Sammlung unterstützen wollen. Die kleinen Patienten werden dort liebevoll, aber unter Bedingungen behandelt, die für uns nur schwer vorstellbar sind. In Armenien gibt es keine Krankenversicherung. Für Kinder bis zum 7. Lebensjahr werden zwar manche Behandlungen vom Staat übernommen, Operationen und Medikamente müssen aber selbst bezahlt werden. Ab dem 7. Lebensjahr gibt es keinerlei staatliche Unterstützung mehr. Es gibt vom Staat auch kein Geld, um die Kinder im Krankenhaus zu verköstigen. Sie müssen von den Eltern mit Essen versorgt werden. Auch die Bettwäsche muss die Familie selbst mitbringen. Für die Eltern erkrankter Kinder sind die Kosten für eine Behandlung oft existenzgefährdend.

Wir danken deshalb sehr herzlich für Ihren Beitrag, durch den wir mithelfen wollen, dass die armenischen Familien erfahren können: Ja, Gott ist nahe, er läßt unsere Nachkommen lange leben und schickt uns Hilfe zur rechten Zeit.