Osternacht (Predigt)

Predigt von Pfarrer Mag. Georg Fröschl

Die Lesungen der Osternacht spannen einen großen Bogen von der Erschaffung der Welt bis hin zur Auferstehung, die ja manchmal auch als Neu-Schöpfung bezeichnet wird.

Dazwischen gibt es Entwicklung mit Werden und Vergehen, dazwischen ist das, was wir oft als den mühseligen Alltag kennen: Scheitern und Aufbruch, Ungerechtigkeit, aber auch Hingabe, Leiden und Tod ...

Manchmal kann es sein, dass das Dunkel von Leid-Erfahrungen übermächtig wird: dann überschwappt es uns wie eine Riesenwelle, sodass wir kaum noch Gutes erkennen können.

Gerade da will uns Ostern einen hoffnungsfrohen Blick schenken:

Auch wenn die Schöpfung – wie es Paulus sagt – noch immer in Geburtswehen liegt, also wenn es noch viel Leid auszuhalten gibt, dürfen wir die Schöpfung schon jetzt im Osterlicht sehen.

Ist Ostern nicht das Durchscheinen der Absicht Gottes mitten ins seiner Schöpfung, mitten im Alltag, mitten im Lauf der Zeit?

Jesus Christus ist dieser besondere Ort, wo Gottes Absicht sogar durch den Tod strahlt. Denn Gottes Absicht heißt: Leben in Fülle.

Schon am Anfang, im Hymnus der Schöpfungserzählung, wird vom guten Grund erzählt, den Gott gelegt hat; es heißt da: Gott sah alles an, was er gemacht hatte, es war sehr gut!

Ich bin mir sicher, dass Gott da nicht oberflächlich nur auf das offensichtlich Schöne geschaut hat: auf einen roten Sonnenuntergang, auf das grüne Gras, auf das lachende Baby oder auf die glückliche Familie ....

Wenn Gott auf seine Schöpfung schaut, reicht sein Blick bis an den Anfang: er sieht den Grund, aus dem alles gemacht ist, und der hervorbrechen soll: es ist der Goldgrund der Liebe, der sich immer mehr zeigen will:

dies geschieht zB wenn Opfer sich nicht mehr als Opfer sehen müssen und so auch ihren Tätern vergeben können. Dann werden Erde und Himmel neu.

In der Auferstehung Jesu Christi ist dieser Goldgrund der neuschaffenden Liebe für immer hervorgebrochen; nichts mehr kann das Licht der Absicht Gottes zurückhalten.

Ostern ist also wie der Beginn eines neuen Tages, wo sich am Horizont die Sonne langsam erhebt und unaufhaltsam den ganzen Tag erhellt.