Der Sonntag ist uns heilig (Predigt)

Predigt von Pfarrer Mag. Georg Fröschl | Schriftstellen: Dtn 5, 12-15 | 2 Kor 4, 6-11 |
Ev: Mk 2, 23 - 3, 6

Ein befreundeter Pfarrer hat mir vor kurzem ein Erlebnis erzählt: nach einem Taufgespräch hat er die Eltern des Kindes eingeladen, einmal am Sonntag zu kommen und auch mit der Gemeinde Gottesdienst zu feiern. Darauf hat ihm die Mutter geantwortet: „Danke schön, Herr Pfarrer, sehr nett von Ihnen, aber wissen Sie, der Sonntag, der ist uns heilig!“

Ich finde diese Anekdote witzig, weil diese Frau etwas sehr Richtiges und Gutes für das Leben Ihrer Familie erkannt und betont hat: nämlich den Sonntag heilig zu halten…

Es kam für sie aber nicht in den Sinn, zur Heiligung des Sonntags auch das Feiern des Gemeinde-Gottesdienstes zu zählen.

In den heutigen Bibeltexten wird die Verbindung zwischen Alltagsleben und Religion sichtbar gemacht.

In der ersten Lesung wird als Begründung für die Einhaltung des Sabbats angegeben:

Gott hat dich, Israel, aus der Sklaverei befreit. Er war es, der deine Freiheit gewollt hat und dich aus der Gefangenschaft geführt hat. Und nun darfst du diese Freiheit genießen und auch deine Umwelt davon spüren lassen. – Aber vergiss nicht, wovon du befreit wurdest, sonst fällst du in die alte Knechtschaft zurück.

Das religiöse Ritual des Sabbatgebotes hält also in den Menschen diese Erinnerung wach: wir sind aus der Knechtschaft befreit. Lasst uns diese Freiheit feiern und auskosten, damit wir nicht von neuen und anderen Sachzwängen beherrscht werden…

Natürlich kann ein religiöses Ritual auch erstarren und zum Selbstzweck werden; dann macht es den Menschen intolerant. Jesus  hat im Evangelium darauf hingewiesen. Der Sabbat - und mit ihm jedes religiöse Gebot und Angebot - ist für den Menschen da (nicht umgekehrt).

Und von daher ist es schön, dass jene Familie erkannt hat, der Sonntag ist uns heilig:

  • Es ist so wichtig, dass wir in unserem Alltag eine Unterbrechung haben, wo wir nicht von Termindruck und Arbeitsstress getrieben sind.
  • Es ist so wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit ausspannen, und in einer zweckfreien Zeit mit unseren Sinnen entdecken können, wie sehr wir beschenkt sind.
  • Es ist so wichtig, dass es zumindest einmal in der Woche eine heilige Zeit gibt, in der wir füreinander Zeit haben, einander zuhören, mit einander reden können….

Der Sonntagsgottesdienst kann uns daran erinnern, wo unsere tiefsten Wurzeln sind. Das kann vor Unmenschlichkeit und Unfreiheit bewahren… Denn die Freiheit und die tiefste Lebenskraft kommt nicht von uns selbst, sondern von Gott…