Gott strahlt durch uns (Predigt, 14. So)

Predigt von Pfarrer Mag. Georg Fröschl | Schriftstellen: Ez 1, 28b - 2, 5 | 2 Kor 12, 7-10
Evangelium: Mk 6, 1b-6

In den Texten des heutigen Sonntags kommt für mich eine Tatsache deutlich zum Vorschein: Gott möchte durch seine Geschöpfe in der Welt reden und gehört werden, vor allem aber seine Absicht der heilenden Liebe bekannt machen.

Im Evangelium sehen wir am Beispiel Jesu in seiner Heimat, dass man diese Stimme Gottes auch ablehnen kann: man nimmt Anstoß daran, weil man alles kontrollieren und sich nicht überraschen lassen will. Wir kennen das ja auch: die gewohnten bekannten Dinge unserer Umwelt berühren uns längst nicht so, als wenn wir wo neu hinkommen oder ein Fremder zu uns redet. Vielleicht ist der Urlaub eine Chance, Gottes Stimme wieder neu wahrzunehmen: in der Natur, in kulturellen Ereignissen, in anderen Menschen.

Der zweite Aspekt der heutigen Frohbotschaft ist: dass Gott auch durch mich reden will. Wir sind getauft zu Priestern, Königen und Propheten. Deswegen nehme ich das Wort Gottes an den Propheten Ezechiel aus der ersten Lesung einmal als ein Wort an mich: „Stell dich auf deine Füße, Menschensohn!“  Ich will dir etwas sagen, ich will dich berühren und dich mit meiner Botschaft erfüllen – Das heißt: es ist ein Auftrag an uns, dass wir selbständig werden, wir dürfen zu unserer Eigenart und Besonderheit stehen; denn gerade dadurch will Gott in die Welt hineinsprechen.

Im Korintherbrief geht dann Paulus ein bisschen ins Detail: Paulus selbst fühlt sich als besonders begabt in seiner Aufgabe als Verkünder der Botschaft Gottes; er sagt sogar, dass ihm eine übergroße Offenbarung zuteil geworden ist. Und da weiß er, dass die Gefahr nahe liegt, stolz zu werden, nicht mehr Gott zu verkünden, sondern sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Stärke kann also auch dazu führen, dass wir uns selber mehr präsentieren und damit die Stimme Gottes verstellen. Deswegen sagt er: Wenn ich schwach bin, bin ich stark. In der menschlichen Schwäche wird deutlich, dass Gott es ist, der wirkt.

Ich habe am Freitag den Papstfilm gesehen: Franziskus sagt, wer viel Talent und Einfluss hat, muss demütig sein. Sonst zerstört ihn seine Macht, und nicht nur ihn, sondern auch andere. Wer demütig ist, verstellt Gott nicht. Ein Werkzeug der Demut kann der Sinn für Humor und ein Lächeln sein. – Wenn ich schwach bin, bin ich stark.