Göttliches Strickmuster (Predigt)

Predigt von Pfarrer Mag. Georg Fröschl zur Täuflingsmesse | Röm 8, 14-17 | Mt 28, 16-20

1984 war ich für ein Jahr lang in der Schweiz, um dort zu studieren. Zu Mittag bin ich manchmal ins Luzerner Priesterseminar gegangen, wo viele Studenten zusammengekommen sind. Gekocht haben dort damals Schwestern. Und eine Schwester hat zu mir einmal gesagt: „Da kommt wieder unser Sonnenschein aus Österreich!“ Ich erinnere mich nicht mehr, wie das auf Schweizer Deutsch klingt, aber ihre Aussage ist mir in Erinnerung geblieben.

Diese Schwester hat etwas von mir entdeckt, was verborgen war. Sie hat mir damit in Erinnerung gerufen, dass ich als Mensch mehr bin, als das was man fotografieren oder abwägen kann.

-Wir alle sind ein Geheimnis, nach göttlichem Muster. - Das göttliche Strickmuster ist nicht Glatt-Verkehrt, sondern es heißt Drei-Einheit.

Der Mönch David Steindl-Rast hat für die Drei-Einheit ein Bild verwendet, das mir gut gefällt:

  • Er verwendet für das Geheimnis Gottes als Symbol das Wasser
    • das Wasser tritt durch die Quelle an die Oberfläche und wird konkret erlebbar als köstliches und erfrischendes Element  –  das ist der Sohn
    • das Fließen und die Dynamik des Wassers  –  das ist der Geist
    • der verborgene Quellgrund tief in der Erde  –  das ist der Vater
  • Alles gehört zusammen, ist immer in Beziehung und bedeutet Leben

Nach diesem Muster ist die ganze Schöpfung gestrickt: denn kein Geschöpf ist nur Sichtbares; jedes Geschöpf hat auch einen verborgenen tiefen Grund und jedes Geschöpf ist bewegte, dynamische Wirklichkeit.

Wenn wir das auf ein Kind übertragen, könnte sich dieses Strickmuster in der Aussage von Eltern ungefähr so anhören:

  • Du unser Kind, von wo kommst du her - du bist ein Wunder!
  • Schön, dass wir dich in Händen halten dürfen, dass du uns konkret anvertraut bist
  • Unsere Beziehung ist etwas Lebendiges, jeden Tag neu und sehr spannend, immer im Wachsen.

Wir danken Gott für dich.