12. So. Mit Gott Neues wagen

Kürzlich habe ich in einem Artikel Folgendes gelesen:

Der ehemalige Benediktiner Abt Martin Werlen erzählt von einer Alltagserfahrung: Er muss zu einem Vortrag, hat das Zugticket schon gekauft, doch bis hin zum Bahnhof gibt es einige Unannehmlichkeiten, die ihn zeitlich aufhalten. Gehetzt eilt er zum Bahnsteig und sieht nur noch die roten Rücklichter des Zuges. „Zu spät!“ Fährt es ihm durch Mark und Bein.

Doch als er sich das eingesteht, passiert etwas mit ihm: Er überlegt: Was mache ich jetzt? Hier beginnt die Kreativität. Man muss es wagen, nicht immer hektisch hinterher zu rennen. Er sucht nach neuen Möglichkeiten, sein Ziel zu erreichen.

Ich finde, dieses Erlebnis ist ein schönes Bild für unser Leben; aber es ist nicht nur ein schönes Bild, sondern es ermutigt auch uns, dort wo wir anstehen, Neues zu wagen

wir haben ja Phantasie und Kreativität von unserem Kreator, unserem Schöpfer, bekommen… als sein Ebenbild dürfen und sollen wir unsere Kreativität leben und Neues wagen.

Neues wagen heißt ja nicht unbedingt, alles Alte über den Haufen zu werfen.

Sondern es kann heißen, das Alte unter neuem Blickwinkel zu sehen, es in neue Kontexte stellen, damit neu umgehen lernen. Kurz gesagt: die Tradition zu achten und daraus erstarrte Traditionen zu verändern. Der Grundstrom der Tradition ist die Frohe Botschaft Jesu Christi. Änderbare Traditionen sind äußere Formen, die manchmal auch leere Hülsen werden können.

Macht nicht der Priester Zacharias Ähnliches? Er bleibt in der Tradition seines priesterlichen Dienstes, aber er wagt es, jene kleine Tradition der Namensgebung zu verändern und nennt seinen Sohn nicht wie üblich nach dem Vater, sondern gibt ihm einen eigenen neuen Namen. Dieser Name steht für das Neue, das weiterführt.

Jeder von uns hat einen eigenen Namen, der für Einzigartigkeit und auch für die eigene Berufung steht. Diese persönliche Berufung innerhalb des großen Stromes der Tradition zu entdecken, braucht es vielleicht manchmal auch so ein rotes Rücklicht, das uns sagt: die überlieferten Formen taugen nicht mehr für dich, gehe phantasievoll einen neuen Weg, deinen Weg – im Bewusstsein, dass Gott mit dir geht.

„Mit Gott neues wagen“ kann also ein Motto sein, das uns in die Ferien begleitet, aber auch als Pfarrgemeinde durch das Jahr.