Leben gewinnen (Predigt 13. So im JK)

13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Predigt von Pfarrer Mag. Georg Fröschl | Schriftstellen des Tages: 2 Kön 4, 8-11.14-16a | Röm 6, 3-4.8-11 | Evangelium: Mt 10, 37-42

Ich gestehe: ich will das Leben gewinnen, ich möchte Ansehen bekommen, Erfolg haben, Glück erleben...
Doch da macht mich die Warnung Jesu nachdenklich: „Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren.“ - Heißt das nun, dass sich die Christen von vornherein auf die Verlierer-Seite schlagen sollen, dass sie gar nicht erst versuchen sollen, glücklich zu werden, weil das dann sowieso nicht gelingen wird?

Gegen solch eine negative Sicht von „Leben“ wehre ich mich mit allen Fasern meines Wesens. Deswegen möchte ich nochmals genauer auf das hören, was Jesus sagt. Er spricht nämlich noch weiter und sagt: Gewinnen werden das Leben jene, die es „um meinetwillen verlieren“. Das klingt paradox – was heißt das nun?

Erstens: Es geht ums Leben

Ich brauche meine Sehnsucht, das Leben gewinnen zu wollen, nicht zu unterdrücken. Denn Jesus spricht vom „Gewinnen des Lebens“. Bei Johannes heißt es sogar aus dem Munde Jesu: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Zweitens: Verlieren/Loslassen ist Bedingung des Lebendigen

Verlieren scheint also doch eine Bedingung zum Gewinnen des Lebens zu sein – inwiefern? Mit anderen Worten: Um das Leben zu gewinnen, muss ich etwas einsetzen: nicht irgend ein Ding, sondern mein eigenes Leben, meine Talente, mein Wesen. Ich muss bereit sein, mich zu geben, zu investieren, zu schenken. Mir fällt das Beispiel vom Weizenkorn ein: nur wenn es sich herschenkt und in die Erde fallen lässt, kann das größere Leben in seinem Inneren zum Wachsen und Blühen kommen.

Drittens: Es geht um eine bestimmte Einstellung: „um meinetwillen“

Um meinetwillen heißt, dass es beim Geben auch auf die Einstellung ankommt; nicht das berechnende Geben ist gefragt, sondern das Geben aus Vertrauen und Liebe. Um meinetwillen meint die absichtslose Freude beim Schenken, die oft erst im Nachhinein ihren Lohn erkennt...