Heilsamer Fluss (Predigt 11.So im JK)

11. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Predigt von Pfarrer Mag. Georg Fröschl | Schriftstellen: Ex 19, 2-6a | Röm 5, 6-11 | Evangelium: Mt 9, 36 - 10, 8

Ich habe in meiner Wohnung ein Stoffbild hängen (im Querformat ungefähr einen Meter mal einen halben Meter):

Darauf sieht man in der Mitte Jesus in einem weißen Gewand, seine Hände sind geöffnet: empfangend und schenkend zugleich sein Blick ist nach oben ins Licht gerichtet. Dieses Licht fällt als heller weißer Strahl auf sein Angesicht, es verbindet sich mit dem Weiß seiner Kleidung. Dieses Weiß nimmt die Farbe eines Flusses an, der von Jesus ausgeht und durch die Landschaft fließt. An diesen Fluss kommen alle Bedürftigen, Armen und Kranken, um das erfrischende Wasser zu schöpfen und um Heilung zu empfangen.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, an so einen heilsamen Fluss habe ich gedacht beim letzten Satz des Evangeliums: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben!“ Ein Fluss empfängt sein Wasser umsonst von der Quelle und schenkt dieses im Fließen weiter, sodass rundherum die Erde fruchtbar werden kann.

Beim Propheten Ezechiel gibt es dieses Vision vom heilsamen Fluss, der im Tempel entspringt und alles Land heilt, das von seinem Wasser berührt wird.

Damit ist Gottes Absicht ausgedrückt: Gott möchte uns berühren, er möchte unsere Krankheiten heilen und unseren Hunger stillen. Er will, dass wir nicht von einengenden Gedanken gequält werden, er will uns den Horizont des Gottesreiches aufspannen – mitten in unsrem begrenzten, oft armseligen Leben.

So wie Jesus die 12 Jünger beruft, um die Absicht Gottes zu verwirklichen, so ruft er auch zu allen Zeiten Frauen und Männer, diesen Dienst zu tun: das Reich Gottes anzukünden, Kranke zu heilen, unreine Geister auszutreiben, Ausgeschlossene in die Gemeinschaft zu holen und Leblose zur Lebendigkeit aufzuwecken.

Wir, die wir umsonst empfangen haben, die wir im Fluss der geschenkten Liebe stehen (bei der Taufe haben wir das gefeiert), dürfen diese Gnade auch weiterschenken an die Menschen um uns.